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Disagio — Was ist das Händlerentgelt bei Kartenzahlungen?

Das Disagio ist die Gesamtgebühr, die einem Händler bei der Abwicklung einer Kartenzahlung in Rechnung gestellt wird. Es entspricht der Differenz zwischen dem Transaktionsbetrag, den der Händler akzeptiert, und dem Betrag, der tatsächlich auf seinem Konto gutgeschrieben wird. Im EU-Payment-Kontext besteht das Disagio typischerweise aus drei Komponenten: Interchange Fee, Scheme Fee und Acquiring-Marge.


Was ist das Disagio? — Definition

Das Disagio (auch: Merchant Service Charge / MSC, Händlerentgelt, Händlergebühr) ist der prozentuale oder absolute Abzug vom Transaktionsbetrag, den ein Händler beim Akzeptieren einer Kartenzahlung trägt. Das Disagio ist die Zahlung des Händlers für die Dienstleistungen aller beteiligten Parteien im Kartenzahlungssystem.

Formel:

Disagio = Interchange Fee + Scheme Fee + Acquiring-Marge

Beispiel:

Transaktion:         100,00 EUR Interchange:           0,20 EUR (0,20% — EU-Debitkarte) Scheme Fee:            0,05 EUR (0,05% — exemplarisch) Acquiring-Marge:       0,20 EUR (0,20% — Beispieltarif) ───────────────────────────────────── Disagio (gesamt):      0,45 EUR (0,45%) Netto-Auszahlung:     99,55 EUR


Wie funktioniert das Disagio?

Wenn ein Kunde mit Karte zahlt, fließt der Transaktionsbetrag nicht vollständig und direkt an den Händler. Das Kartenzahlungssystem verteilt einen Teil des Transaktionsbetrags als Vergütung an die beteiligten Parteien:

  1. Interchange Fee → geht an die Issuer-Bank (die Bank des Kunden)
  2. Scheme Fee → geht an das Kartennetzwerk (Visa, Mastercard etc.)
  3. Acquiring-Marge → geht an den Acquirer / PSP des Händlers

Der Händler trägt das Disagio wirtschaftlich, weil er für den Zugang zum Kartenzahlungssystem und die damit verbundenen Dienstleistungen (Infrastruktur, Betrugsschutz, Abwicklung) bezahlt.


EU-Regulierungskontext: Was ist reguliert?

Die EU-Verordnung 2015/751 (Interchange Fee Regulation — IFR) begrenzt den Interchange-Anteil des Disagio:

  • Verbraucher-Debitkarten (EWR-Ausgabe): max. 0,20%
  • Verbraucher-Kreditkarten (EWR-Ausgabe): max. 0,30%
  • Commercial Cards / Non-EWR-Karten: nicht reguliert

Wichtig: Die IFR begrenzt nur den Interchange-Anteil des Disagio — nicht das Gesamt-Disagio. Scheme Fee und Acquiring-Marge sind weiterhin frei verhandelbar. Das Gesamt-Disagio kann also auch bei EU-Karten durch höhere Margen über dem Interchange-Cap liegen.


Disagio im deutschen Sprachraum: Begriffe und Synonyme

Im deutschen Sprachgebrauch wird das Disagio im Payment-Kontext unter verschiedenen Bezeichnungen verwendet:

BegriffKontext
DisagioFinanzterminologie; auch bei Wertpapieren / Anleihen verwendet
HändlerentgeltHäufig in Verträgen mit deutschen PSPs
Merchant Service Charge (MSC)Englischer Fachbegriff, auch im DE-Markt verbreitet
ZahlungsgebührUmgangssprachlich
TransaktionsgebührOft als Synonym verwendet

In Frankreich ist der Begriff "commission commerçant" gebräuchlich; in Italien "commissione commerciante".


Disagio vs. Interchange Fee: Was ist der Unterschied?

Diese Begriffe werden häufig verwechselt:

BegriffWas es istWer zahltWer erhält
Interchange FeeRegulierter Teil der GebührAcquirerIssuer-Bank
Scheme FeeNetzgebührAcquirerKartennetzwerk
Acquiring-MargePSP-AufschlagHändlerPSP/Acquirer
Disagio (MSC)Summe aller dreiHändlerVerteilt auf alle

Die Interchange Fee ist ein Bestandteil des Disagio — nicht dasselbe.


Wie wird das Disagio auf der Händlerrechnung dargestellt?

Die Darstellung variiert je nach Tarifmodell:

  • Blended Pricing: Disagio erscheint als eine einzige Prozentrate (z.B. "1,3% pro Transaktion"). Die internen Komponenten sind nicht sichtbar.
  • Interchange++ (IC++): Interchange, Scheme Fee und Marge werden separat ausgewiesen. Der Händler sieht das vollständige Disagio aufgeschlüsselt.
  • Flat Fee: Disagio als Festbetrag pro Transaktion (z.B. 0,25 EUR + 1%).

Was bedeutet das Disagio für Händler in der EU?

Das Disagio ist für viele KMU eine der größten und gleichzeitig am wenigsten verstandenen Betriebsausgaben. Typische Orientierungswerte für das Gesamt-Disagio im europäischen Einzelhandel:

KartenprofilTypisches Gesamt-Disagio
EU Debitkarte (dominanter Mix)0,30%–0,60%
Ausgewogener Kartenmix (Debit + Credit)0,50%–0,80%
Hoher Credit- und Non-EWR-Anteil0,80%–1,50%
AMEX / Commercial Cards dominant1,50%–3,00%

Das Disagio kann durch PSP-Wechsel oder Verhandlung der Acquiring-Marge beeinflusst werden. Die Interchange- und Scheme-Komponenten sind für Händler nicht direkt verhandelbar.


Häufige Fragen (FAQ)

Was bedeutet Disagio einfach erklärt? Das Disagio ist die Gesamtgebühr, die ein Händler für das Akzeptieren einer Kartenzahlung zahlt. Es ist die Differenz zwischen dem Zahlungsbetrag des Kunden und dem Betrag, der tatsächlich auf dem Händlerkonto ankommt. Typischerweise liegt es zwischen 0,3% und 1,5% des Transaktionswerts — abhängig vom Kartentyp, PSP und Vertrag.

Ist das Disagio dasselbe wie die Interchange Fee? Nein. Die Interchange Fee ist nur ein Teil des Disagio. Das Disagio (auch Merchant Service Charge) ist die Summe aus Interchange Fee + Scheme Fee + Acquiring-Marge. Die Interchange Fee fließt an die Kartenausgeberbank; Scheme Fee ans Kartennetzwerk; Acquiring-Marge an den PSP des Händlers.

Kann ich das Disagio verhandeln? Den Interchange- und Scheme-Anteil nicht — diese sind vorgegeben. Die Acquiring-Marge (PSP-Aufschlag) ist jedoch verhandelbar. Ab einem Monatsumsatz von ca. 20.000–50.000 EUR per Karte öffnet sich typischerweise Spielraum für Verhandlungen.


Quellen & Regulierungsgrundlagen


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